Der Maulwurf

Der Maulwurf hat keinen so schlechten Ruf wie die Wühlmaus.

Er führt ein sehr gefährliches Leben, denn nicht nur von anderen Tieren wird er bedroht, sein Lebensumfeld kann für ihn zu einer Bedrohung werden. Die ältesten gefunden Tiere sind maximal fünf Jahre alt, im Schnitt werden sie nicht älter als zwei Jahre.

Allgemeine Informationen

Der Europäische Maulwurf (Talpa europaea) gehört zur Familie der Maulwürfe, von denen es weltweit zahlreiche Gattungen gibt. Von der Gattung des Eigentlichen Maulwurfs gibt es rund 22 Arten, zu denen auch der Europäische Maulwurf gehört. Tatsächlich ist der Maulwurf näher mit dem Igel verwandt als mit der Wühlmaus. Sein Vorkommen erstreckt sich über Mitteleuropa bis hin in den Balkan und Teilen von Russland. Lediglich sehr kalte Gebiete wie Norwegen oder sehr heiße Regionen wie Spanien meidet der Europäische Maulwurf. In Großbritannien sind ebenfalls Maulwürfe zu finden, während Irland bislang von ihnen verschont blieb.

Neben dem Europäischen Maulwurf gibt es noch weitere Arten, die in Europa zu finden sind wie den Blindmaulwurf. Daneben gibt es endemische Arten, die in bestimmten Regionen vorkommen wie den Iberischen Maulwurf, der nur auf der Iberischen Halbinsel anzutreffen ist. Hauptsächlich ist in Deutschland der Europäische Maulwurf anzutreffen, aber vereinzelt wurden im Süden von Deutschland schon Blindmaulwürfe gefunden. Im Bezug auf die Lebensweise und die Vertreibungsmethoden gibt es keinen Unterschied zwischen den Arten.

Körperbau

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Das Skelett eines Maulwurfs. Deutlich zu erkennen die ausgeprägten Grabhände (© Didier Descouens – Original zugeschnitten. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0)

Der gesamte Körperbau des Maulwurfs ist auf das Leben unter der Erde ausgerichtet. Herausstechend sind seine Gliedmaßen, die wie Grabschaufeln funktionieren. Die Gliedmaßen, die an Hände erinnern, haben fünf Zehen und sind nach außen gedreht, damit sie graben können. Der Aufbau der Gliedmaßen ist so gestaltet, dass sie nicht ausschließlich auf Kraft, sondern auch auf Beweglichkeit ausgerichtet sind. Die Armmuskulatur ist ebenfalls sehr gut entwickelt, wodurch das Tier die nötige Kraft besitzt, die Erdmengen zu bewegen. Für das Graben verantwortlich sind primär die vorderen Gliedmaßen, während die hinteren Gliedmaßen eine unterstützende Funktion haben.

Wie der Maulwurf seine Gänge gräbt, ist im folgenden Amateurvideo eindrucksvoll eingefangen:

Auffällig beim Maulwurf ist der Kopf mit der lang gezogenen Nase. Sie gehört mit den Tasthaaren zu den wichtigsten Sinnesorganen der Tiere. Das Leben unter der Erde macht Augen fast nutzlos, die bei den Maulwürfen klein ausfallen und gut unter dem grauen weichen Fell verborgen sind. Mit den Augen können die Tiere lediglich zwischen hell und dunkel unterscheiden, ansonsten erfüllen sie keine weitere Funktion. Die langen Tasthaare im Gesicht helfen ihnen bei der Orientierung, das wichtigste Sinnesorgan ist die Schnauze. Die dort befindlichen Sinneszellen nehmen nicht nur physikalische Reize wahr, sondern vermutlich auch elektrische, die von der Muskelbewegung von Beutetieren stammen.

Die Zähne der Maulwürfe sind sehr scharf und dadurch an ihre fleischhaltige Ernährung angepasst. Beachtlich ist, dass sich nicht nur die äußere Anatomie des Maulwurfs an das Leben unter der Erde angepasst hat, sondern auch die innere Anatomie dahin gehend ausgerichtet ist. Aufgrund des niedrigeren Sauerstoffanteils unter der Erde ist beispielsweise der Anteil an roten Blutkörperchen beim Maulwurf viel höher. Dadurch kann der Körper des Maulwurfs mit dem wenigen Sauerstoff vergleichbar gut, wie bei Lebewesen über der Erde, versorgt werden.

Lebensweise

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Historische Illustration des Gangsystems eines Maulwurfs.

Der Maulwurf bevorzugt Lebensräume mit nicht zu trockenen und nicht zu feuchten Wiesenböden. Er ist auch in Wäldern bzw. an Waldrändern und in Kulturlandschaften wie in Feldern oder in Gärten zu finden. Die Suche nach Nahrung kann auf unterschiedliche Weise erfolgen. Entweder gräbt es sich durch das Erdreich, wobei ihn sein Sinn für Muskelbewegungen zu Beutetieren lenkt, im günstigsten Fall findet er seine Beute beim Laufen durch seine Gänge. Sein Gangsystem liegt meist knapp unter der Erdoberfläche bis zu einem Meter Tiefe. Pro Stunde kann er bis zu sieben Meter graben und im Schnitt beträgt das Territorium eines Maulwurfs bis zu 2.000 Quadratmeter. Die überschüssige Erde wird von ihm auf die Erdoberfläche befördert. Für ihn typisch sind im Durchschnitt verhältnismäßig runde Erdhaufen. Sogenannte Nahrungsgänge sind ringförmig, was ihm das Laufen erleichtert. Ein Maulwurf kann Laufgeschwindigkeiten von bis zu vier Kilometern pro Stunde erreichen.

Sozialverhalten und Nahrung

Maulwürfe sind Einzelgänger und treffen sich nur während der Paarungszeit im Frühjahr. Die gute Nachricht für Gartenbesitzer ist, dass sie es aufgrund ihres ausgeprägten Revierverhaltens und der Größe ihrer Reviere, meist mit nur einem Maulwurf zu tun haben. Der Nachteil ist, dass Maulwürfe keinen Winterschlaf halten und das gesamte Jahr über aktiv sind. Dadurch kann es vorkommen, dass sie auch im Winter einen Maulwurf vertreiben müssen.

Durch ihre Nahrung, die ausschließlich andere Tiere wie Insekten, Würmer und sogar kleine Echsen oder Nagetiere umfasst, sind sie im Winter gut versorgt. Zudem legen sie sich kleine Nahrungsvorräte an, wozu sie ihren Beutetieren die vorderen Körperglieder abbeißen, damit sie nicht mehr fliehen können. Die Verletzungen sind so gering, dass sie nicht sterben, wodurch den Maulwürfen im Winter frische Nahrung ohne aufwendige Beutezüge zur Verfügung steht.

Während der Paarungszeit spielt die Nahrungssuche gerade bei den männlichen Maulwürfen eine Nebenrolle. Zwischen ihnen kann es zu erbitterten Kämpfen um ein Weibchen kommen. Die weiblichen Maulwürfe sind rund vier Wochen trächtig und bringen im Schnitt drei bis vier Junge zur Welt. Zwischen ein und zwei Monaten verlassen die Jungen das Nest und sind im zweiten Jahr geschlechtsreif. Weibliche Maulwürfe werfen meist nur ein Mal im Jahr. In seltenen Fällen gibt es einen zweiten Wurf, allerdings ist die Überlebenschance der im Herbst bzw. Winter geborenen Tiere geringer.

Zusammenfassung

  • Maulwürfe sind Einzelgänger
  • Ihr Revier ist ca. 2000 m² groß
  • Sie ernähren sich tierisch und lassen Pflanzen in Frieden
  • stehen unter Naturschutz und dürfen nur vertrieben werden (mehr Infos)
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